Luxusprodukt 24-Stunden-Betreuung

Die Negativschlagzeilen bezüglich der 24-Stunden-Betreuung häufen sich. Schlechte Bezahlung, keine geregelten Urlaube und keine Vorsorge für die spätere Pension sind nur ein kleiner Auszug dessen. Der Ruf nach einem angestellten Dienstverhältnis ist groß, doch was bedeutet das wirklich für die Betroffenen? Ist eine Anstellung wirklich die Lösung um diese Missstände zu lösen? Christian Wegscheider, Geschäftsführer der Help-24 GmbH, sagt dazu ganz klar „Nein!“

Gerade im vergangenen Jahr wurde deutlich, wie wichtig Personen in Pflege- und Betreuungsberufen sind. Allerorts ist bekannt, dass die Bezahlung und die Rahmenbedingungen in dieser Berufsgruppe oft zu wünschen übriglassen. Der Aufschrei nach Neuerungen ist groß, denn, wenn wir uns ehrlich sind, vom Beklatschen haben wohl die wenigsten Arbeitnehmer auf Dauer etwas. Doch warum ändert sich nichts? Warum werden Personen die in einer so wichtigen und systemrelevanten Position sind nicht ausreichend entlohnt und gewürdigt? Gerade in Zeiten von Covid 19 wurde aufgezeigt, wie unentbehrlich die 24-Stunden-Betreuung ist. Denn hier konnte man nicht nur den geringen Kontakt, sondern auch bestmögliche Hygienestandards umsetzen. Im Gegensatz zu Pflegeeinrichtungen und den damit verbundenen Menschenansammlungen, blieb es hier bei einer 1:1 Betreuung und das Risiko, sich anzustecken wurde deutlich verringert.

24-Stunden-Betreuung ist oft ein Luxusprodukt

Problematisch ist, dass eine 24-Stunden-Betreuung für Angehörige oft einem Luxus gleichgestellt ist. Die Förderungen sind nicht annähernd ausreichend, um diese Art der Betreuung für jeden zugänglich machen zu können. Gerade für ältere Personen ist das Zuhause von großer Bedeutung, oft liegen hier alle Erinnerungen an die schönen Erlebnisse mit der eigenen Familie. Augenblicke an die man gern zurückblickt, ein Ort an dem man sich einfach wohl fühlt. Für Angehörige ist es oft ein sehr herausfordernder und unangenehmer Schritt, die Betroffenen in einer Pflegeeinrichtung unterzubringen.

„Viele Familienmitglieder versuchen so lang wie möglich den Spagat zwischen eigenem Leben und der Betreuung der Angehörigen aufrecht zu erhalten, doch diese enorme Belastung, körperlich wie auch psychisch, ist auf Dauer nicht umsetzbar. Eine 24-Stunden-Betreuung kostet einer Familie im Durchschnitt, abzüglich der möglichen Förderungen und dem Pflegegeld derzeit EUR 1.300,-
Wenn man den medialen Forderungen nach einer Anstellung der Betreuungskräfte nachgeht, würden von den derzeit rund 60.000 aktiven 24-Stunden BetreuerInnen in Österreich rund 40.000 wegfallen, da man zusätzlich zu bereits bestehenden Kosten noch Urlaubszahlungen, Sonderzahlungen usw. berücksichtigen müsste. Die finanzielle Belastung für die Angehörigen würde dadurch um ein Vielfaches steigen. Nur mehr ein ganz geringer Prozentsatz der Bevölkerung könnte sich dann überhaupt eine 24-Stunden-Betreuung leisten.“ so Christian Wegscheider über die aktuelle Situation.

Förderungen müssen neu verhandelt werden

Viel wichtiger wäre es, die Förderungen zu überdenken und neu zu verhandeln. Die WKO fordert diesbezüglich eine Verdreifachung der derzeitigen Förderungssumme. Jeder Betreuungsplatz soll mit EUR 1.650,- pro Monat bei zwei Betreuungspersonen bezuschusst werden. Das entspricht den Ausgaben der öffentlichen Hand für einen Pflegeplatz in Niederösterreich. Somit wäre sichergestellt, dass Angehörige selbst zwischen Pflegeeinrichtung und der 24-Stunden-Betreuung entscheiden können und nicht aufgrund finanzieller Engpässe. Die Benachteiligung der 24-Stunden-Betreuung gegenüber den stationären Pflegeeinrichtungen muss endlich beendet werden, gerade in der Corona-Krise hat sich gezeigt, wie unverzichtbar die BetreuerInnen für das österreichische Sozialsystem sind. Daher müssen die Honorare für die Betreuungskräfte angehoben werden, sonst werden wir früher oder später mit der Tatsache konfrontiert sein, dass immer mehr BetreuerInnen nicht mehr nach Österreich kommen um diese so wertvolle Arbeit zu leisten.

Ersparnis von EUR 1.400,- pro Förderfall

„Im Gegensatz zu einem Pflegeheimplatz erspart sich das Land mit einer 24-Stunden-Betreuung rund EUR 1.400,- pro Förderfall, also wäre es hier von großer Dringlichkeit die Förderungen zu erhöhen“ so Christian Wegscheider zusammenfassend, „Es sollte jeder Familie selbst freigestellt und überlassen werden wie diese Ihre Angehörigen betreuen lassen möchten. Derzeit ist es, wie so oft, eine Frage der finanziellen Quellen. Hier benötigt es einen Blick über den Tellerrand und Maßnahmen, diesen Zwiespalt entgegenzusteuern.“